Nach dem Release von Version 1.14.0 gibt es auf dem main-Branch bereits einige Kern-Neuerungen für typische Companion-Radios im neuen Release-Tag 1.14.1.
Hier ist der Überblick über die wichtigsten Features für Companion-Geräte.
1. Token Bucket Duty Cycle (Akkumulierbares Sende-Budget)
Was ist das? Damit Funknetzwerke nicht kollabieren und rechtliche Sendezeiten (Duty Cycle) greifen, verhängt die Firmware nach jedem Senden eine Zwangspause. Bisher war diese Pause direkt an die letzte Nachricht gebunden (z.B. flossen auf 1 Sekunde Senden sofort 2 Sekunden Zwangspause).
Was ist neu? Das Radio nutzt jetzt ein ausgeklügeltes „Token Bucket“-System. Es verwaltet dein Sende-Budget wie ein Bankkonto, das sich über die Zeit stetig auflädt. Jede gesendete Chat-Nachricht „kauft“ mit Sendezeit von diesem Konto ein.
Warum ist das nützlich? Du kannst nun am Smartphone problemlos mehrere kurze Textnachrichten direkt schnell hintereinander („im Burst“) abschicken, sofern dein gesamtes Stundenbudget nicht aufgebraucht ist. Die App und das Radio fühlen sich wesentlich flüssiger an, da die künstlich abgehackten, obligatorischen Pausen nach jeder noch so kleinen Nachricht entfallen.
2. Schaltbarer Empfangsverstärker (Remote LNA)
Was ist das? Viele moderne Hardware-Boards für Companions (Hardware mit dem SX1262-Funkchip) besitzen einen internen Hardware-Verstärker (Low Noise Amplifier, LNA), mit dem leise Funksignale weiter gehört werden können.
Was ist neu? Die Firmware kann diesen Hardware-Verstärker nun sauber ansteuern (ein alter Auslese-Fehler wurde dabei korrigiert). LNA kann ab sofort in den App-Einstellungen oder per CLI-Konfiguration passgenau auf „Power Saving“ oder „Boosted Gain“ gesetzt werden.
Warum ist das nützlich?
- Im Wald / auf dem Berg: Brauchst du maximale Reichweite zu einem weit entfernten Tracker oder Repeater? Stell dein Radio auf Boosted Gain, um die Antenne voll auszureizen.
- Beim City-Mesh: Hängst du lokal mit Freunden in der Stadt herum und hast nur einen kleinen Akku (z.B. im Heltec V3)? Nutze den Modus Power Saving, um signifikant Laufzeit auf Kosten überflüssiger Empfangsreichweite zu sparen!
3. Native GPS- & Power-Integration (SenseCap Solar P1)
Was ist das? Das Seeed Studio „SenseCap Solar P1“ ist ein beliebtes Komplett-Board (out of the box) mit Batterie und Solar-Panel, das als Companion oder Tracker agiert.
Was ist neu? Es gab fundamentale Aufwertungen für exakt dieses Board:
- Es unterstützt nun nativ das Modul-GPS.
- Ein dedizierter „Poweroff“-Befehl beim langen Drücken des Hardware-Buttons wurde ergänzt (und die Wake-Pins beruhigt).
- Ein kleiner Bug, der die Status-LED fälschlicherweise immer auf Grün zwang, wurde eliminiert.
Warum ist das nützlich? Das SenseCap verhält sich jetzt wie ein vollwertiger High-End Companion. Du kannst das Gerät ab sofort tiefenentspannt, sauber per langem Knopfdruck ausschalten (was vorher per Akku-Disconnect passieren musste) und echte GPS-Routen für deine Freunde sicher ins Mesh feuern.
4. Freies Baudraten-Limit (Serielle Schnittstelle / USB)
Was ist das? Die Variable bridge_baud bestimmt, wie schnell die kabelgebundene (USB/Seriell) Verbindung zwischen deinem PC (bzw. Microcontroller) und dem LoRa-Funk-Chip kommuniziert.
Was ist neu? Das historisch gewachsene künstliche Limit von 115200 Baud wurde aufgehoben.
Warum ist das nützlich? Für Bastler und Entwickler relevant: Wenn du leistungsstarke Hardware oder eigene Companion-Apps entwickelst und per seriellem Bus anbindest, kannst du nun deutlich höhere Baudraten aushandeln, um immense serielle Daten (z.B. dicke Payloads) ohne Nadelöhr vom Rechner auf den Sender zu schieben.